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Freude

"Glaube ist Liebe, Frieden und Freude im Heiligen Geist. Er ist die fröhlichste und heiterste Sache der Welt. Er ist völlig unvereinbar mit Griesgrämigkeit, Missmut, Hartherzigkeit und allem, was nicht der Sanftmut, Güte und Freundlichkeit Jesu entspricht."

John Wesley (1703 - 1791)

Wer will schon Waffen exportieren?

Kriegsmaterialexportverbots-Initiative

Zur Eidgenössischen Volksinitiative „für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten“ vom 29. November 2009

2008 verkauften Schweizer Waffenproduzenten für 722 Millionen Franken Waffen ins Ausland. Grösstes Abnehmerland für Kriegsmaterial war Pakistan mit 110 Millionen Franken. Gemessen am Gesamtexportvolumen machte die Waffenausfuhr "nur" einen Anteil von 0,35% aus. Die Eidgenössische Volksinitiative "für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten" will die Ausfuhr von Waffen beinahe vollständig verbieten. Eingereicht wurde diese Initiative vom „Bündnis gegen Kriegsmaterial-Exporte“. Zu diesem Bündnis zählen die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und die SP Schweiz, aber auch einige bekannte christliche Organisationen wie der Zentralvorstand der Evangelischen Frauen Schweiz (EFS), Fastenopfer und die Bethlehem Mission Immensee.

 

Wer will schon Waffen exportieren? Der Bundesrat sagte es in seiner Stellungnahme klar und deutlich: "Mit einer Annahme der Volksinitiative würde der einheimischen wehrtechnischen Industrie die Existenzgrundlage entzogen, da eine wirtschaftliche Produktion in den meisten Fällen vom Zugang zu Exportmärkten abhängt. Mit der Schliessung entsprechender Betriebe würde die Landesverteidigung in Frage gestellt. Die Schweizer Armee wäre für ihre Rüstung einseitig von anderen Staaten abhängig, wobei im Krisenfall den Bedürfnissen eines neutralen Staates wie der Schweiz geringe Priorität zugemessen würde. … Gesamtschweizerisch müsste mit über 5100 betroffenen Beschäftigten gerechnet werden, wobei sich diese Zahl ohne Weiteres verdoppeln könnte, wenn die zu erwartenden negativen Auswirkungen der Verbote auf Produktion und Handel ziviler Güter berücksichtigt werden."


Wenn der Bundesrat recht hat, dann wollen wir Schweizer Waffen exportieren, weil davon viele Menschen bei uns leben, und unsere Sicherheit ohne Waffenindustrie auf dem Spiel steht.


Zynisch daran ist, dass wir unseren "Frieden" damit erkaufen, dass schweizerische Waffen in fremde Hände gelangen. Dort werden sie nicht nur für die Selbstverteidigung souveräner Staaten eingesetzt, sondern auch willkürlich gegen Zivilpersonen. Im Klartext: Unser Friede wird mit dem Tod anderer Menschen erkauft. Weil wir Waffen für die Selbstverteidigung brauchen, verkaufen wir Waffen ins Ausland, wo sie unserer friedlichen Absicht entzogen sind.


Selbst wenn die exportierten Waffen nicht eingesetzt würden, töten sie. Denn die 722 Millionen Franken könnten lebenserhaltend etwa bei der Bekämpfung von Malaria und anderen Seuchen oder zur sauberen Trinkwassergewinnung eingesetzt werden.


Wollen wir Christen Kriegsmaterial exportieren? Ist das Teil unserer Mission, dass Menschen und Länder wie z.B. Pakistan oder der Tschad Waffen in die Hände bekommen? Oder schärfer formuliert: Will Jesus Christus, dass wir durch Waffen seine Botschaft in die Welt tragen? Das ist nicht einfach eine rhetorische Frage. Diese Frage offenbart unsere christliche Glaubwürdigkeit. Denn wenn wir als Christen dem Waffenexport zustimmen und zugleich für Entwicklungshilfe und die Verkündigung der frohen Botschaft eintreten, verwickeln wir uns in den Widerspruch, für Tod und Leben, für Krieg und Frieden, für Heil und Zerstörung zu sein. Dieser Widerspruch hat schon im Mittelalter nicht überzeugt, als man den Menschen mit Waffeneinsatz christliche Werte und Kultur vermitteln wollte.


Da gibt es dieses ärgerliche, herausfordernde Wort von Jesus: "Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, so werdet ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel" (Matthäus 5,44-45). Und schon der Prophet Micha wusste, was man mit Waffen wirklich tun sollte: "Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Sie werden das Schwert nicht erheben, keine Nation gegen eine andere, und das Kriegshandwerk werden sie nicht mehr lernen." (Micha 4,3). Hinter dieser Praxisänderung zum Frieden steht die Erwartung, dass Menschen wirklich beginnen, auf Gott zu hören. (Siehe Micha 4,5! Es lohnt sich, den ganzen Text Micha 4,1-8 zu lesen.) Und dann hat Jesus bei seiner Verhaftung den Waffeneinsatz seiner Jünger klar zurückgewiesen (Matthäus 26,51-53).


Angesichts dieser Worte sind wir Christinnen und Christen gefordert. Wir sollten einstehen für die Liebe zu allen Menschen, wie sie Jesus lehrte, und gegen jede Form des Bösen, das sich gerade in Tötungsmaschinen überdeutlich manifestiert.


In den Sozialen Grundsätzen der EMK steht: "Wir glauben, dass Krieg mit der Lehre und dem Beispiel Christi unvereinbar ist. Wir verwerfen deshalb den Krieg als Mittel nationaler Außenpolitik. … Als Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi sind wir berufen, unsere Feinde zu lieben, nach Gerechtigkeit zu streben und in Konflikten versöhnend zu wirken. … Wir glauben, dass für die Regierungen bei der Festlegung ihrer Prioritäten menschliche Werte schwerer wiegen müssen als militärische Forderungen: die Militarisierung der Gesellschaft muss hinterfragt und beendet werden; Herstellung, Verkauf und Verteilung von Waffen müssen eingeschränkt und kontrolliert werden; Produktion, Besitz und Gebrauch von Atomwaffen müssen geächtet werden. Deshalb unterstützen wir auch eine allgemeine und vollständige Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Überwachung." (Die Sozialen Grundsätze der EMK 2008, VI. C Krieg und Frieden)


Wenn man diese Worte liest, fragt man sich, warum die EMK nicht auch zum „Bündnis gegen Kriegsmaterial-Exporte“ gehört. Wenn man sich an die Bibel und Jesus Christus hält, kann Kriegsmaterialexport nicht schöngeredet werden. Vernunft- und Sicherheitsgründe mögen gegen ein Verbot von Waffenexporten sprechen. Glaubensgründe auf der Basis der Christusbotschaft sprechen klar für ein Verbot der Kriegsmaterialausfuhr.


Ausschuss Kirche und Gesellschaft
Jörg Niederer

United Methodist Church