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Predigen

"Beginne den Gottesdienst pünktlich und ziehe ihn nicht unnötig in die Länge. Geh in der Predigt auf die Fragen ein, die die Zuhörer bewegen. Entwickle deine Gedanken in guter, logischer Folge. Vermeide ausgefallene Wörter und Redewendungen, auch wenn sie gerade in Mode sind."

John Wesley (1703 - 1791)

 

Von Wundern und dem Weg dorthin

Am 28. November 2004 wird in der Schweiz über das "Bundesgesetz über die Forschung an embryonalen Stammzellen" (Stammzellenforschungsgesetz StFG) abgestimmt. Der "Ausschuss Kirche und Gesellschaft" begrüsst das Stammzellenforschungsgesetz, aber zeigt auch auf, dass man dagegen sein kann.

 

Mit der embryonalen Stammzellenforschung erhoffen sich Wissenschaftler unter anderem eine Heilung von Querschnittslähmungen und die Regeneration zerstörter Organe. Auf der anderen Seite befürchtet man die Instrumentalisierung von Embryonen als "Ersatzteillager". Zurzeit geht es lediglich um Grundlagenforschung. Ein konkreter Nutzen ist noch nicht absehbar. Es braucht ein Gesetz. Mit dem StFG wird eine streng reglementierte Handhabung der embryonalen Stammzellenforschung festgeschrieben.

 

Worum geht es?

Embryonale Stammzellen sind Körperzellen, deren spätere Verwendung noch offen ist. Aus ihnen können durch Zellteilung weitere Stammzellen oder ausdifferenzierte Zellen entstehen, also z.B. Haut- oder Leberzellen. Embryonale Stammzellen gewinnt man aus Embryonen. Während sich ein menschlicher Embryo zu einem Menschen entwickeln kann, ist das bei den embryonalen Stammzellen nicht möglich. Dieser Unterschied ist wichtig. Im StFG wird die Forschung an embryonalen Stammzellen deutlich eingeschränkt. Verboten ist es, Embryonen für Forschungszwecke zu erzeugen oder deren Erbgut zu verändern. Verboten ist die Gewinnung von embryonalen Stammzellen aus einem Klon (identische Kopie des Zellenspenders) einer Chimäre (Mischwesen, das nicht natürlich entstehen kann) einer Hybride (Mischwesen, das auch natürlich entstehen kann) oder einer Parthenote (Organismus, der aus einer unbefruchteten Eizelle hervorgegangen ist). Verboten sind die Ein- oder Ausfuhr von Embryonen, Klone, Chimären, Hybriden und Parthenoten. Verboten ist die Gewinnung von embryonalen Stammzellen aus Embryonen ab ihrem 8. Entwicklungstag.

Gewonnen werden dürfen embryonale Stammzellen nur aus, bei der künstlichen Befruchtung anfallenden, überzähligen Embryonen. Die leiblichen Eltern müssen damit einverstanden sein. Embryonen und embryonale Stammzellen dürfen nicht gekauft oder verkauft werden. Für die Entnahme von embryonalen Stammzellen verwendete Embryonen dürfen nicht mehr auf eine Frau übertragen, sondern müssen vernichtet werden. Bei der Ein- und Ausfuhr von embryonale Stammzellen braucht es eine Bewilligung des zuständigen Bundesamts. Forschungsprojekte werden nur bewilligt, wenn unter anderem die Ethikkommission damit einverstanden ist. Weitere einschränkende Bestimmungen kommen hinzu. Man merkt beim Lesen des StFG, dass der Stammzellenforschung kein Freipass ausgestellt wurde.

 

Aus christlicher Sicht

Aus christlicher Sicht umstritten ist, ob überhaupt aus Embryonen Stammzellen gewonnen werden dürfen. Sind Embryonen nicht schon von Gott gewollte Menschen, und deren Vernichtung Mord? Was der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) von embryonalen Stammzellen schreibt, nämlich: "Embryonale Stammzellen als solche können nicht als (lebende) Person, ja nicht einmal als heranwachsender Fötus betrachtet werden", gilt eigentlich auch schon für den überzähligen Embryo. Damit jemand "Person" ist, muss er seiner selbst bewusst sein. Ein 7 Tage alter Embryo ist dazu nicht in der Lage. Er wird sich auch nie zu einem "heranwachsenden Fötus" entwickeln, wenn er nicht auf eine Frau übertragen werden kann. Bei der künstlichen Befruchtung anfallende überzähligen Embryonen müssen nach schweizerischem Recht vernichtet werden. Wenn Christen überzeugt sind, dass das menschliches Leben von der Zeugung an zu schützen sei, dann müssen sie auch die künstliche Befruchtung ablehnen. Dort fallen überzähligen Embryonen an. Wenn man aber Eltern die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung zugestehen will, dann spricht nichts dagegen, überzähligen Embryonen Stammzellen zu entnehmen, um damit vielleicht einmal andern Menschen bei bisher unheilbaren Krankheiten zu helfen. Dieses Vorgehen wäre vergleichbar mit der Organspende.

 

Man kann mit guten Gründen gegen die embryonale Stammzellenforschung sein und das StFG ablehnen. Nur könnte es sein, dass man so das Kind mit dem Bad ausschüttet. Denn dann könnte die Rechtsunsicherheit der Forschung freiere Hand geben als mit dem StFG. Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft begrüsst daher das StFG.
Für eine eigene Meinungsbildung empfehlen wir das StFG und die Verlautbarung des SEK.

United Methodist Church