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Präimplantationsdiagnostik

Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika hat sich an der Tagung der Jährlichen Konferenz (Synode) vom 18.-22. Juni 2014 in Frauenfeld mit grosser Mehrheit gegen die Einführung der Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen. Im Folgenden finden sie den Wortlaut der Resolution:

Resolution: Keine Urteile über lebensunwertes menschliches Leben zulassen

 

Im Jahr 2015 werden die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik abstimmen.

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist ein medizinisches Verfahren, mit dem im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (in vitro Fertilisation, IVF) Embryonen genetisch untersucht werden, bevor sie zur Herbeiführung einer Schwangerschaft in die Gebärmutter übertragen werden.

Damit soll verhindert werden, dass auf künstlichem Weg gezeugte Kinder geboren werden, die an bestimmten genetisch bedingten Krankheiten leiden. Bisher war dieses Verfahren in der Schweiz verboten und es durften nur so viele menschliche Eizellen (max. 3) ausserhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden «als ihr sofort eingepflanzt werden können» (Bundesverfassung Art. 119, Absatz 2c).

Wenn nun ein Krankheitsrisiko aufgrund einer bekannten genetischen Disposition der Eltern besteht, soll es neu möglich werden, dass so viele Embryonen entwickelt werden, als für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind. Der Gesetzgeber spricht von maximal 8 mit IVF entwickelten Embryonen. Diese Embryonen werden auf Krankheiten untersucht und je nach dem als unbrauchbar für die Einpflanzung ausgesondert. Geschehen darf das nur, wenn sich die konkrete Gefahr anders nicht abwenden lasse, dass ein Elternpaar in eine unzumutbare Situation gerät.

Weiter würde mit dem neuen Gesetz das Einfrieren (Kryokonservierung) von Embryonen in vitro erlaubt. 

Nicht erlaubt bleiben alle anderen Anwendungsmöglichkeiten der PID, insbesondere etwa die Erzeugung eines „Retterbabys“  sowie die Geschlechtsbestimmung ohne Bezug zu einer schweren Krankheit.

Bei Einführung des Gesetzes rechnet das Bundesamt für Gesundheit mit jährlich 50-100 Paaren, welche die PID bei ihren Kinderwunsch beanspruchen.

 

Die Präimplantationsdiagnostik wirft grundlegende Fragen auf und führt zu Folgeproblemen.

 

  • Die PID stellt uns vor das grundsätzliche Problem, dass wir darüber entscheiden müssen, was lebenswertes und was lebensunwertes Leben ist. Auch wenn dies in einem sehr frühen Stadium menschlichen Lebens geschieht, definieren so getroffene Entscheide auch den Lebenswert von Erwachsenen, die an den Krankheiten leiden, welche durch die PID erfasst werden können. Darf die Schutzwürdigkeit und Würde des Menschen von der Beurteilung durch andere Menschen abhängen?
  • Wo wird die Grenze des zumutbaren gezogen für Elternpaare? Entscheiden die Eltern selbst über das ihnen Zumutbare? Wird von Eltern mit genetischer Disposition in Zukunft erwartet, dass sie die PID anwenden? Wie gehen die Versicherungen mit Kindern um, die unter entsprechenden Krankheiten leiden? Sind sie noch versichert?
  • Was geschieht mit den überzähligen, eingefrorenen Embryonen? Wer garantiert, dass sie letztlich vernichtet, und nicht allenfalls doch für andere Zwecke eingesetzt werden? Wem gehören die überzähligen eingefrorenen Embryonen?
  • Was kommt nach der PID? Bleiben die im neuen Gesetz noch restriktiv definierten Grenzen bestehen? 

 

Als Christen glauben wir, dass Anfang und Ende des Lebens von Gott gegebene Grenzen menschlicher Existenz sind. (Soziale Grundsätze, 161.II. J). Im biblischen Gedanken der Gottebenbildlichkeit (Genesis 1,27) wird dem Mensch eine Würde zugesprochen, die in staunende Worte des Psalmisten münden: „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139,13f). Dem von Gott geschaffenen menschlichen Leben – ohne Ausnahme – eignet ein Wert, der unantastbar ist.

Die Sozialen Grundsätze (www.soziale-grundsaetze.ch) der Evangelisch-methodistischen Kirche halten unter III. Die soziale Gemeinschaft, O) Gentechnologie fest:

„Die Verantwortung der Menschen für Gottes Schöpfung fordert von uns, sorgfältig mit den Möglichkeiten genetischer Forschung und Technik umzugehen und diese gewissenhaft und verantwortungsvoll zu prüfen…

Wir lehnen gentechnologische Maßnahmen mit eugenischer Ausrichtung ab, und solche, die zur Produktion überzähliger Embryonen führen.“

Auch wenn wir den Wunsch von Eltern nach gesunden Kindern verstehen, halten wir es für sehr bedenklich, dass es durch eine Einführung der PID zwingend wird, über Wert bzw. Unwert menschlichen Lebens entscheiden zu müssen. Aus diesem und weiteren, oben angefügten Gründen lehnt die Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika die Einführung der Präimplantationsdiagnostik ab.

 

Angenommen an der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika

vom 21.06.2014 in Frauenfeld

United Methodist Church