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Zeit und Ewigkeit

"Wenn wir sagen, Gott weiss alles vorher, stimmt das eigentlich nicht, denn für Gott gibt es kein Vorher und kein Nachher. Die ganze Zeit – oder vielmehr die ganze Ewigkeit – ist im selben Augenblick gegenwärtig. Uns Menschen sind nur jeweils sehr kurze Abschnitte der Ewigkeit als Zeit in die Hand gegeben."

John Wesley (1703 - 1791)

Präimplantationsdiagnostik

Evangelisch-methodistische Kirche sagt Nein zur Änderung des Fortpflanzungsmedizin-gesetzes

 

Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika hat sich bereits an der Tagung der Jährlichen Konferenz (Synode) vom 18.-22. Juni 2014 in Frauenfeld mit grosser Mehrheit gegen die Einführung der Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen.

 

2015 nahm das Schweizer Stimmvolk eine Verfassungsänderung (Artikel 119 der Bundes-verfassung) an, welche die Aufhebung des Verbots der Präimplantationsdiagnostik (PID) im geänderten Fortpflanzungsmedizingesetz ermöglicht. Dieses war bereits zuvor vom Parlament angenommen worden. Am 5. Juni 2016 werden nun die Schweizer Stimmbürge-rinnen und Stimmbürger über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik abstimmen. Die Evangelisch-methodistische Kirche empfiehlt, die dazu nötige Gesetzesänderung abzu-lehnen.

 

Bei dieser Abstimmung nicht mehr geändert werden kann die durch die Verfassungsrevision vollzogene Abkopplung der künstlichen Erzeugung von Embryonen von dem ausdrücklichen Zweck der Schwangerschaft. Auch der in der Verfassung gestrichene Embryonenschutz kann allenfalls noch auf Gesetzesstufe verankert werden.

 

Im Wesentlichen richtet sich die Evangelisch-methodistische Kirche gegen die drei folgenden Änderungen im Fortpflanzungsmedizingesetz:

 

  1. Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID)
  2. Ausweitung der pro Behandlungszyklus künstlich erzeugten Embryonen von 3 auf 12
  3. Das Einfrieren von Embryonen für die zukünftige Verwendung

 

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist ein medizinisches Verfahren, mit dem im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (in vitro Fertilisation, IVF) Embryonen genetisch untersucht werden, bevor sie zur Herbeiführung einer Schwangerschaft in die Gebärmutter übertragen werden. Damit soll verhindert werden, dass auf künstlichem Weg gezeugte Kinder geboren werden, die an bestimmten genetisch bedingten Krankheiten leiden. Die PID soll allen Paaren zur Verfügung stehen, welche nicht auf natürliche Weise Kinder bekommen können und daher den Weg über die künstliche Befruchtung gehen.

Nicht erlaubt bleiben alle anderen Anwendungsmöglichkeiten der PID, insbesondere etwa die Erzeugung eines „Retterbabys“  sowie die Geschlechtsbestimmung ohne Bezug zu einer schweren Krankheit.

 

Die Präimplantationsdiagnostik wirft grundlegende Fragen auf und führt zu Folgeproblemen.

 

  • Die PID stellt uns vor das grundsätzliche Problem, dass wir darüber entscheiden müssen, was lebenswertes und was lebensunwertes Leben ist. 
  • Wo wird die Grenze des zumutbaren gezogen für Elternpaare? Entscheiden die Eltern selbst über das ihnen Zumutbare? Wird von Eltern mit genetischer Disposition in Zukunft erwartet, dass sie die PID anwenden? Wie gehen die Versicherungen mit Kindern um, die unter entsprechenden Krankheiten leiden?
  • Was geschieht mit den überzähligen, eingefrorenen Embryonen? Wer garantiert, dass sie letztlich vernichtet, und nicht allenfalls doch für andere Zwecke etwa in der Forschung verwendet werden? Wem gehören die überzähligen, eingefrorenen Embryonen?
  • Was kommt nach der PID? Bleiben die im neuen Gesetz noch restriktiv definierten Grenzen bestehen?

 

 

Als Christen glauben wir, dass Anfang und Ende des Lebens von Gott gegebene Grenzen menschlicher Existenz sind. (Soziale Grundsätze, 161.II. J). Im biblischen Gedanken der Gottebenbildlichkeit (Genesis 1,27) wird dem Mensch eine Würde zugesprochen, die in staunende Worte des Psalmisten münden: „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139,13f). Dem von Gott ge-schaffenen menschlichen Leben – ohne Ausnahme – eignet ein Wert, der unantastbar ist.

 

Die Sozialen Grundsätze (www.soziale-grundsaetze.ch) der Evangelisch-methodistischen Kirche halten unter III. Die soziale Gemeinschaft, O) Gentechnologie fest:

„Die Verantwortung der Menschen für Gottes Schöpfung fordert von uns, sorgfältig mit den Möglichkeiten genetischer Forschung und Technik umzugehen und diese gewissenhaft und verantwortungsvoll zu prüfen…

Wir lehnen gentechnologische Maßnahmen mit eugenischer Ausrichtung ab, und solche, die zur Produktion überzähliger Embryonen führen.“

 

Aus diesen Gründen richtet sich Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz gegen die Einführung der Präimplantationsdiagnostik und empfiehlt, die Änderungen des Fortpflanzungsmedizingesetzes abzulehnen.

 

Weiter unterstützt sie die folgenden beiden Forderungen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK):

 

  1. Künstlich erzeugte Embryonen sollen nur für eine Schwangerschaft und nicht für Forschungszwecke verwendet werden dürfen. 
  2. Es braucht eine psychologische und ethische Beratung für Eltern, weil bei der Embryonenselektion "keine medizinische Entscheidung getroffen, sondern ein Kind gewählt" werde.

 

 

Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Ausschuss Kirche und Gesellschaft KA114 – Zürich, 11.05.2016

Mehr Infos

Das Bundesamt für Gesundheit zur geplanten Änderung des Fortpflanzungsmedizin-gesetzes (Zulassung der Präimplantationsdiagnostik)

 

Seite des Nein-Komitees

United Methodist Church