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Der Fremde in unserer Mitte

Eine Anregung zum Gespräch

(Verfasser: Rat Europäischer Methodistischer Kirchen. Übersetzung: Martin Roth und Urs Schweizer)

Anmerkungen zum Gebrauch des Textes in der Schweiz und Frankreich

In allen Staaten Europas, in denen die Evangelisch-methodistische Kirche vertreten ist, leben immer mehr Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Sprachen. Im Auftrag des Rates Europäischer Methodistischer Kirchen hat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern aus Deutschland, England, Italien, Nordirland, Polen, Schweden und der Schweiz, die vorliegende Diskussionsanregung erarbeitet. Fremde in unserer Mitte und ihr Geschick sind Gott nicht gleichgültig. Deshalb können sie auch uns nicht gleichgültig sein. Wir ermuntern die Glieder unserer Kirche, die Denk- und Handlungsanstösse dieses Papiers miteinander zu besprechen. Der Heilige Geist wird uns helfen, Brücken zwischen den Einheimischen und Fremden zu bauen und zu begehen. Wir sind überzeugt, dass Christus gerade auch auf diese Weise in Wort und Dienst bezeugt wird.
Sprache und Bilder, die hier verwendet werden, bezeugen etwas von der Vielfalt unserer Kirche in Europa. Darum eine Bitte: Lassen Sie sich von der multikulturellen Eigenart dieses Textes nicht abhalten! Versuchen Sie die Anregungen in Ihr Umfeld zu übertragen! Die Arbeitsgruppe freut sich, wenn an vielen Orten rege Gespräche stattfinden, und da und dort konkretes Handeln möglich wird.

Zürich, 16. August 1999 Ausschuss Kirche und Gesellschaft (KA214) der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich

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Der Fremde in unserer Mitte

Vergesst nicht, gastfrei zu sein; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (Hebr. 13, 2)

Überall in Europa sind Menschen unterwegs:

  • Menschen fliehen vor Konflikten oder Verfolgung von einem Ort in Europa an einen anderen Ort.
  • Menschen kommen aus anderen Teilen der Welt nach Europa, um ökologischen Katastrophen, Armut, Bürgerkriegen oder Diktaturen zu entfliehen und um Arbeit sowie ein neues Leben zu suchen.
  • Menschen reisen durch Europa: um Ferien zu geniessen, um zu studieren oder aus geschäftlichen Gründen.


In den meisten europäischen Städten und in vielen ländlichen Gebieten leben heute Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Religionen nahe beisammen.

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Wie können methodistische Gemeinden der lokalen Gesellschaft helfen, einladend und einschliessend zu sein?

Ein Methodist ist jedermanns Freund und niemandes Feind. (John Wesley)
Bitte diskutiert den Inhalt dieses Blattes in den Zusammenkünften eurer Gemeinde oder in Hauskreisen und setzt eure Erkenntnisse in die Tat um.

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Warum setzen wir uns ein?

Der Herr erschien Abraham im Hain Mamre. Abraham sass zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlgefallen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! Man wird etwas Wasser holen, dann könnt ihr euch die Füsse waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen Brot holen, und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen, denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast. Da lief Abraham eilig ins Zelt zu Saar und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Rühr es an, und backe Brotfladen! Er lief zum Vieh, nahm ein zartes, prächtiges Kalb und übergab es dem Knecht, der es schnell zubereitete. Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, das er hatte zubereiten lassen, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie assen. (1.Mose 18,1-8)
Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleider gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und dich aufgenommen oder nackt und dir Kleider gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! (Matth. 25, 35-40)
Als Jesus in seinem Haus beim Essen war, assen viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern; denn es folgten ihm schon viele. Als die Schriftgelehrten, die zur Partei der Pharisäer gehörten, sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern ass, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Mark 2,15-17)
Vergleicht auch die folgenden Stellen: Luk. 14, 15-24; Luk. 24, 13-35; Joh. 1, 43-51; Joh. 12, 20-26; Apg. 10,1-11; 1. Kor. 1, 10-17; 1. Kor. 12-13; Gal. 2, 1-10

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Fragen zum Gespräch über diese Bibelstellen

  • Kennt ihr Beispiele, in denen Gott durch Fremde oder Besucher zu euch gesprochen hat?
  • Gemäss eurer Erfahrung: Scheint das Licht von Christus im Gesicht von Frauen und Männern, die nicht an Christus glauben?
  • Welche Antwort verlangt das Evangelium von uns, wenn Nachbarn Ansichten vertreten oder wenn schlimme Ereignisse in der Stadt oder im Dorf geschehen, die durch Rassenhass geprägt oder ausgelöst worden sind?
  • Wie leicht finden wir in der christlichen Gemeinschaft zu einer Beziehung zu solchen Menschen, die sehr verschieden von uns sind?

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Vorschläge für das Handeln

 

1. Helft der Kirche, eine Beziehung zur Gesellschaft, in der sie lebt, zu haben, indem ihr...

  • die Menschen ernst nehmt, die ihr bei eurer täglichen Arbeit trefft.
  • eure Erfahrung ernst nehmt, dass ihr mit Menschen in einer Beziehung steht, wenn ihr einkauft, reist oder eurer bevorzugten Freizeitbeschäftigung nachgeht.
  • Ereignisse in den lokalen Nachrichten ernst nehmt.

Nehmt euch Zeit, um während eurer kirchlichen Zusammenkünfte miteinander über eure Erfahrungen bei der Arbeit und in der lokalen Gesellschaft zu sprechen. Besprecht auch Anliegen und Fragen, die in den Medien diskutiert werden. Was für ein Bild unserer Nachbarschaft machen wir uns?
Betet für Menschen, die in der lokalen Wirtschaft, in der Politik, im öffentlichen Dienst und in der ehrenamtlichen Hilfe an Bedürftigen engagiert sind.

2. Versucht, Beziehungen zu Verantwortlichen der örtlichen Gesellschaft zu knüpfen. Hört auf deren Anliegen und drückt ihnen eure Unterstützung aus. Denkt dabei besonders an:

  • Leiter örtlicher Gruppen, auch Verantwortliche anderer Kirchen oder anderer religiöser Gemeinschaften
  • gewählte politische Vertreter und Gemeindebehörden
  • Polizei, Sozialarbeiter, Lehrerpersonen und Angestellte im Gesundheitswesen
  • Verantwortliche aus der Wirtschaft
  • Künstler, Schriftsteller, Journalisten, Musiker und Medienleute


Manchmal werden die Gespräche direkt und offen sein. Dabei wird hilfreich sein, wenn Vertrauen schon über eine längere Periode aufgebaut wurde.
Gibt es Minderheiten oder verängstigte Leute, die sich nicht einfach Gehör verschaffen können? Kann eure Gemeinde eine "Stimme der Stimmlosen" sein?

3. Werdet eine Gemeinde, die Brücken in eurer lokalen Gesellschaft baut! Warum nicht Vertreter von verschiedenen örtlichen Gruppen (solche, die sich nicht regelmässig treffen, oder solche, die sich sogar etwas misstrauen) zu einem Essen mit Vertretern eurer Gemeinde einladen? Könntet ihr Lokalitäten oder andere Unterstützung offerieren für Gruppen, die einen Treffpunkt benötigen?

4. Erwartet, dass ihr verändert werdet, wenn ihr in näheren Kontakt mit Gruppen in der Nachbarschaft tretet. Veränderung ist nicht notwendigerweise bedrohend. Wir können bereichert werden durch Menschen aus anderen Kulturen und anderen religiösen Traditionen. Aber seid achtsam im Blick auf versteckte Vorurteile und Ängste.

5. Seid ganz besonders wachsam im Blick auf mögliche Schwierigkeiten oder Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen in eurem Ort.


  • Nehmt aufmerksam Zeichen von Missverständnissen, schlechten Gefühlen oder Spannungen und Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft wahr. Erhebt den Warnfinger rechtzeitig, wenn sich Schwierigkeiten zusammenbrauen.
  • Handelt besser zu früh als zu spät, um entfremdete Gruppen zu einem Gespräch zu helfen, und um Spannungen zu reduzieren.
  • Setzt euch zum Ziel, gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Frieden herbeizuführen.


Dieses Blatt ist vom Rat Europäischer Methodistischen Kirchen angenommen und zum Gespräch in den Gemeinden in Europa empfohlen worden.
Zwei umfangreichere Papiere "Versöhnung und Beteiligung" und "Nationalismus, Identität und Zugehörigkeit" stehen in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung. Sie sprechen die Anliegen hinter diesem Flugblatt an und vermitteln zusätzliche Informationen.

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